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Sich getrieben fühlen

In den letzten Tagen haben sich meine Gedanken viel um das Thema „Schnelllebigkeit“ und „ständig präsent sein müssen“ gedreht. Auf der einen Seite betrifft die Schnelllebigkeit natürlich unser Privatleben, dank Internet, WhatsApp und Co. - aber für mich geht es hier vor allem darum, als Fotografin und Künstlerin in den sozialen Medien präsent zu sein.

 

Als introvertierter Mensch, der aus eigenem Antrieb mit der Fotografie begonnen hat, habe ich zu Beginn vor allem für mich selbst fotografiert. Ich habe mir autodidaktisch alles beigebracht, was ich bis heute kann und bin dabei immer meinem Herzen gefolgt. Die Fotografie wurde eine kreative Ausdrucksform für mich und der künstlerische Teil lag und liegt auch heute noch im Fokus. Dabei habe ich tatsächlich auch sehr lange gezögert, mit meinen Bildern „online zu gehen“ - also mir eine Website aufzubauen und in den sozialen Medien aktiv zu werden. Natürlich hatte ich hier und da immer ein paar Bilder über meine private Facebook-Seite mit meinen Freunden geteilt, aber mehr auch nicht. Bis dann irgendwann Freunde von Freunden wissen wollten „wer die tollen Bilder gemacht hat“, „wie viel kosten solche Bilder“ usw. Also habe ich mich dazu entschlossen, mit meiner Fotografie „nach draußen zu gehen“. 

 

Am Anfang war ich auch zufrieden und glücklich, dass ich diesen Schritt gewagt hatte. Es hat aber dann nicht lange gedauert, bis alles begonnen hat mich „aufzufressen“. Denn ich bin in eine Welt gestolpert, in der minütlich Updates, Posts und Stories gezeigt werden und in der viele Fotografen täglich neue Bilder posten. Ich habe mich auf einmal so getrieben gefühlt. Ich hatte den Eindruck, täglich etwas zeigen, produzieren, immer „aktiv und präsent“ sein zu müssen, um auch nur ansatzweise mithalten zu können. Einfach ein Gefühl innerlich zerrissen und zu etwas gedrängt zu werden, dass ich nicht will und vielleicht auch gar nicht leisten kann. Etwas, dass mir als introvertiertem Menschen wirklich nicht guttut. Ich habe begonnen, mich in meinem Kopf im Kreis zu drehen und von meinem eigentlichen Schaffensprozess abzuweichen - nur um schneller und präsenter sein zu können. Und das raubt Kraft und mir vor allem die Kraft für das, was mir wirklich wichtig ist.

 

Ein Glück hat mich - gerade zur rechten Zeit - ein Weckruf ereilt. Eine tolle Fotografin - Laura Helena Photography - hat vor kurzem ein neues Videotraining zu einer sehr persönlichen Bildreihe rausgebracht. Und das war auf gewisse Weise meine Rettung, denn dieses Training hat mich daran erinnert, mich „auf mich“ zurück zu besinnen. Es hat mich darin gestoppt, einen Weg einzuschlagen, der nicht meiner ist. Denn das wichtigste für mich ist meine Kreativität, mein eigener Ausdruck durch die Fotografie - und dafür muss ich mich nicht verbiegen und auch nicht hetzen. Ich habe das Recht meinen eigenen Weg zu gehen und zwar auf meine ganz eigene Weise und in meinem ganz eigenen Tempo.

 

Und das möchte ich hier für alle Kreativen auch noch einmal betonen. Das wichtige ist, dass wir „unser Ding“ machen - egal wie viele Leute es toll finden, oder eben nicht. Egal ob wir jeden Tag oder jede Woche ein neues Bild haben, oder nicht. Denn wer sich wirklich für das interessiert, was wir machen - dem ist es egal, wie oft wir ein neues Bild posten. 

 

Wer an mir, meiner Arbeit und meinem Prozess interessiert ist, der kann mir auf Facebook oder in meinen Instagram-Stories folgen (oder auch hier im Blog) und neben fertigen Bildern (die eben nicht täglich gepostet werden) ein wenig darüber erfahren, wie ich mit meiner Kreativität umgehe und wie ich meine Bilder erarbeite. Ich bin nämlich keine Künstlerin, die durch ihren Schaffensprozess hetzt. Mein Anspruch ist es auch nicht, täglich ein neues, fertiges Bild zu zeigen. Mir sind Authentizität, Tiefgründigkeit und echte Verbindungen wichtiger, als „täglich in den Raum zu schreien“. 

Das gilt auch für meine Fotografie - ich möchte in Ruhe meine Ideen reifen lassen, Konzepte gestalten, experimentieren und sorgsam das ausarbeiten, was Bedeutung für mich hat. Auch im Bezug auf meine „kommerzielle Arbeit“ möchte ich nicht im Akkord Fotoshoots durchführen. Ich möchte mir Zeit für meine Kunden nehmen, damit sie etwas Echtes bekommen - Bilder, die sie lieben.  

 

Die Fotografie ist mein Selbstausdruck. Darin verarbeite und zeige ich Gefühle und Gedanken, meine Sicht der Dinge. Oder ich erarbeite eben genau vor diesem Hintergrund Bilder zusammen mit meinen Kunden. Dementsprechend findet ihr in all meinen Bildern Authentizität - und die Magie, die ich in unserer Welt finde - und zwar genau dann, wenn ich sie euch zeigen will. 😉

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