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Meine Definition von Erfolg

„Success is not the key to happiness. Happiness is the key to success. If you love what you are doing, you will be successful.” - Albert Schweitzer

 

Das Thema Erfolg begegnet einem immer und überall. Denn schließlich ist es ein Thema, das in unserer Gesellschaft großgeschrieben wird. Allerdings ist - zumindest meiner Meinung nach - die gesellschaftliche Definition von Erfolg eine giftige. Ja, richtig gelesen - giftig. Und zwar vergiftet sie uns von Kindesbeinen an. Erfolg wird gemessen in Wettkämpfen - und nur wer den ersten Platz erreicht, der hat es wirklich geschafft. Erfolg wird gemessen in Noten - und damit einer Bewertung nach äußeren Maßstäben. Erfolg wird gemessen an Macht, Reichtum, Karriere… alles in allem an EXTERNEN Faktoren. Alles was wir tun, wird von außen bewertet.

 

Aber definiert das wirklich Erfolg? Interessiert es mich, ob ich jemals ein 1 in Mathe hatte, oder ob ich irgendeinen Leichtathletikwettbewerb gewinnen kann? Ehrlich gesagt nein, absolut gar nicht. Aber auch ich bin unserem Schulsystem groß geworden - auch ich habe mich an all diesen Faktoren messen müssen. Und auch ich habe mich nicht selten klein, minderwertig und „nicht gut genug“ gefühlt. Und warum? Weil es eben immer darum geht, ganz vorne mit dabei zu sein. Egal worum es geht.

 

Und was ist, wenn genau dieses Denken, dieses Gefühl von „nicht gut genug“ nicht mehr verschwindet? Wenn wir das mit uns nehmen und auf unser ganzes Leben übertragen? Wenn wir Dinge aufgeben, die uns erfüllen, die uns glücklich machen? Die uns mehr geben als so viel anderes? Aber weil wir „nicht erfolgreich“ darin sind, geben wir sie auf. Weil jemand eine abfällige Bemerkung darüber macht, trauen wir uns nicht mehr. Weil wir es nicht ganz oben auf das Treppchen schaffen, weil wir eine schlechte Note bekommen haben, weil uns niemand auf die Schulter klopft… verlieren wir unseren Mut - den Glauben an uns selbst. Wir lassen uns beurteilen und geben das, was uns eigentlich doch glücklich macht, auf. Und damit geben wir ein Stück von uns selbst auf.

 

Das klingt hart, aber es ist die Wahrheit. Und alles was ich bisher aufgeführt habe sind Dinge, die ich lernen musste zu „vergessen“. Vergessen kann man sie natürlich nicht wirklich - nie ganz - aber man kann lernen, ihnen weniger bis keine Bedeutung zuzumessen. Man kann lernen, sich dieser Faktoren bewusst zu sein und sich von ihnen nicht beeinflussen zu lassen. Denn es geht nicht darum, in irgendetwas die Nummer 1 zu sein, es geht nicht um Bestätigung von außen. Es geht einzig und allein darum, Erfüllung zu finden. Es geht um den inneren Lohn, um das was uns glücklich macht, um die positiven Gefühle die wir haben, wenn wir etwas tun. Egal wie gut wir nach externen Maßstäben gemessen darin sind, egal ob das Ergebnis preiswürdig ist, oder eben nicht.

 

 

Im gesellschaftlichen Sinne von “Erfolg“ bin ich sicherlich nicht sehr erfolgreich. Ich habe keine Karriereleiter erklettert, fahre kein teures Auto, habe kein Haus - ach und ich habe erst recht keinen „geradlinigen Lebenslauf“. Aber ich lebe mein Leben auf eine Weise, in der ich jeden Tag für mich als Erfolg verbuchen kann. Ich tue jeden Tag etwas dafür, meine Träume und Ziele zu erreichen. Ich sitze nicht tatenlos rum, sondern ich arbeite an meinem ganz persönlichen Erfolg. Ich tue das, was ich liebe - jeden einzelnen Tag. Und selbst wenn es mal stressig ist, wenn es mal hart ist - jeden Tag gehe ich einen kleinen Schritt vorwärts. Ich umgebe mich mit dem, was mich glücklich macht - mit den Menschen, die mich glücklich machen - mit den Dingen, die mich erfüllen. Ich tue das, was mir Spaß macht, mich wachsen lässt und mir mehr gibt, als ich mit Worten je ausdrücken könnte. Ich bleibe mir treu - jeden Tag aufs Neue. Und das ist es, was Erfolg für mich persönlich definiert.

 

Denn egal wie voll mein Bankkonto ist, egal wie erfolgreich ich nach gesellschaftlichen Maßstäben bin - ich werde immer meine persönlichen Ziele verfolgen, immer das tun was ich liebe. Und „am Ziel“ ist man sowieso nie. Man wächst stetig, erreicht Ziele und entwickelt neue Ziele. Ich messe mich nicht an anderen (diese können mir nur Vorbild sein, aber kein Maßstab), sondern an mir selbst - an meinen vergangenen Leistungen. Ich schaue ich mir zum Beispiel Bilder an, die ich vor 3 Jahren gemacht habe - und dann sehe ich, wie sehr ich gewachsen bin - wie viel ich bis heute erreicht habe. Ganz für mich selbst, mein ganz eigener Erfolg.

 

Und das sind auch keine Worte einer Träumerin, die nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen will, oder die bisher nichts auf die Reihe bekommen hat. Denn ich habe einen kompletten Berufsweg hinter mir gelassen und weiß mittlerweile sehr genau, was ich vom Leben will und was eben nicht. Gesellschaftlich gesehen hatte ich vermutlich sogar „gute Voraussetzungen“: abgeschlossenes Abitur, einen Bachelor und Master in der Innenarchitektur, bereits während des Studiums einen Job, nach dem Studium mit gutem Gehalt übernommen - also alles genau die Dinge, an denen gesellschaftlich Erfolg so gerne gemessen wird. Und alles Dinge, denen ich den Rücken gekehrt habe - denn ich arbeite in diesem Feld nicht mehr. Gesellschaftlich ist das Ganze vermutlich als Fehlschlag anzusehen, verschwendete Zeit - kein Hochklettern auf der Karriereleiter, sondern ein Versagen. Wie konnte ich nur? Wie konnte ich das alles hinschmeißen?

 

Doch ganz ehrlich - ich will kein Leben „wie es im Buche steht“ und „Karriere“ interessiert mich nicht. Ich will meinem Herzen folgen - und wenn es mir morgen einen neuen Weg weist, dann möchte ich ihn gehen. Ungeachtet all dessen, was ich mal „erreicht“ habe, was in meinem Werdegang steht, was ich demnach zu sein oder zu tun hätte. Denn am Ende geht es eben nicht um diese Dinge. Es geht darum, ob ich gelebt habe - ohne mich in Formen zu zwängen, ohne irgendwelchen Standards gerecht werden zu wollen. Es geht darum, glücklich mit mir selbst zu sein, erfüllt zu sein, mir selbst treu zu sein - immer - jeden einzelnen Tag. Erfolg ist für mich, meinen eigenen Weg gewählt zu haben und ihn bis zum Ende gegangen zu sein. Und das beinhaltet auch ganz sicher das Recht, diesen Weg ändern zu dürfen - sogar zu müssen - wenn er nicht mehr zu mir passt. Wir müssen unsere Leben neu definieren dürfen, wenn sie uns nicht länger erfüllen! 

 

Für mich ist auch die Zeit, die ich mit dem oben genannten verbracht habe, nicht verschwendet. Denn ich habe viel gelernt und viel mitgenommen. Dinge, die mir auch teilweise heute noch weiterhelfen. Und ich habe vor allem gelernt, dass dies eben nicht das Feld ist, in dem ich „zu Hause“ bin. Natürlich war die Entscheidung, diesen Weg zu verlassen, nicht einfach, es war auch nicht einfach, mir das einzugestehen. Denn ich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht. Aber es war richtig und hat mich zu einem erfüllten Leben geführt.

 

Die Fotografie habe ich mir autodidaktisch beigebracht - und ich liebe nichts mehr. Jeden Tag treibe ich mich an, besser zu werden. Jeden Tag versuche ich etwas Neues zu schaffen, etwas Neues zu lernen, etwas Neues auszuprobieren. Dieser kreative, künstlerische Ausdruck ist mein ganz eigener Erfolg. Ich habe Träume, für die ich mir Ziele setze - und verfolge sie beständig, beharrlich. Denn der Weg ist das Ziel. Und wenn man diese Philosophie für sich umsetzen kann, dann führt man - zumindest in meinen Augen - ein erfolgreiches Leben.

 

Erfolg ist in meinen Augen ein Begriff, den jeder ganz für sich selbst definieren sollte. Denn die Weise, auf die die Welt den Begriff „Erfolg“ definiert, funktioniert für mich nicht. Erfolg ist mehr als eine Liste von erbrachten Leistungen und ganz bestimmt mehr als materielle Dinge anzuhäufen. Erfolg ist für mich ein erfülltes, inspiriertes Leben zu führen und Zeit mit denen zu verbringen, die man liebt. Erfolg ist, die eigenen Träume zu verfolgen, sich Ziele zu setzen und andere dazu zu inspirieren, das Gleiche zu tun. Erfolg ist zurück schauen zu können und sich nicht über verpasste Chancen zu ärgern, nicht über Dinge nachdenken zu müssen, die man nicht getan hat. Ich möchte auf mein Leben blicken und jederzeit sagen können „Ich koste mein Leben vollkommen aus“. Erfolg ist für mich sagen zu können „ich bin mir selbst treu“!


Da ich mich in diesem Blogpost mit einem Thema befasst habe, das mir sehr am Herzen liegt und mit dem ich mich tatsächlich viel beschäftige, hier zwei kleine Buchtipps:

  • "ISH“ von Peter H. Reynolds 
  • „The Top Five Regrets of the Dying“ von Bronnie Ware (dt.: "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen")

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Torn between Mortality and Longing


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